
Lösung Aufgabe 1
Das Schreiben des MfS-Dresden (Dokument 4) ist nüchtern-sachlich abgefasst. Die Kirchen, wo die Veranstaltungen stattfanden, wurden genannt und die Forderungen von Demonstranten aufgelistet. In Dresden gab es laut diesem Bericht keine „feindlich-negative“ oder „provozierende Vorkommnisse“. Es war ein MfS internes Schreiben. Man konnte dabei nüchtern-sachlich bleiben
Das Schreiben der MfS-Kreisdienststelle Halle an die SED-Kreisleitung (Dokument 5) enthält die Meinung des Verfassers. Es wird von internen Quellen berichtet, die vor Störungshandlungen warnen. Es wird über einen Sicherungseinsatz in Zusammenarbeit mit der Volkspolizei und den Kampfgruppen der Arbeiterklasse berichtet. Der Hauptfokus wird auf „feindlich-negative Kräfte“ und „dekadenter Jugendlicher“ gerichtet. Das werden die Demonstranten mit dem Inhalt ihrer Transparente genannt. Die mitwirkenden Pfarrer werden genannt. Die rebellischen Jugendlichen waren aber eine Nebenhandlung, die das Ereignis ausnutzten. Das MfS sah es aber anders.
Es wird eine Mitarbeiterin der Kaderabteilung (Personalabteilung) der HO (eine Handelskette in der DDR) genannt, die neben anderen Personen vorläufig festgenommen wurde, im DDR-Amtsdeutsch „zugeführt“ wurde
Die Amtspersonen der Kirche machten laut diesem Bericht erst verspätet ihren Einfluss geltend, dass die Versammlung ordnungsgemäß aufgelöst wurde. Im Bericht werden Amtspersonen der Kirche beschuldigt die rebellischen Jugendlichen zu ihren Aktionen ermuntert zu haben.
Laut Bericht wurde durch das konsequente Handeln der Sicherungskräfte die beabsichtigte Konfrontation unterbunden.
Lösung Aufgabe 2
Welchen Eindruck wollte der Verfasser des Schreibens der Kreisdienststelle des MfS (Bericht an die SED-Kreisleitung) (Dokument 5) beim Leser erwecken? Der Verfasser war ein Oberstleutnant Thomas. Ob er noch lebt? Leider besteht nicht die Möglichkeit ihn selbst zu fragen, was ja der Fairness dienen würde. So äußere ich meine, in der Aufgabe geforderte, Meinung
Der Fokus wurde auf die rebellischen Jugendlichen gerichtet. Allerdings nutzten diese nur die Veranstaltung um zu provozieren und über die Stränge zu schlagen. Ihre Aktion war ein Nebenereignis. Das Beschuldigen der kirchlichen Amtspersonen für zu spätes Eingreifen wäre nicht nötig gewesen. Dass es mehrheitlich unbescholtene Bürgerinnen und Bürger waren, welche die Veranstaltung in der Kirche besuchten, war das Hauptereignis. Das ist in diesem Schreiben untergegangen.
Der Verfasser wollte vermutlich vor der SED-Kreisleitung das Ereignis verharmlosen und „gut dastehen“. Von unzufriedenen Bürgerinnen und Bürgern sollte die SED-Kreisleitung keine Kenntnis erhalten. Warum auch immer. Im Schlusssatz wurde vermittelt: „Wir haben die Lage im Griff.
Die Festnahme der Mitarbeiterin der Kaderabteilung (Personalabteilung) der HO (Handelskette in der DDR) Industriewaren ist in diesem Schreiben herausgestellt worden. Warum war diese Person so wichtig, dass man dies der SED-Kreisleitung mitteilen musste? War sie SED-Mitglied? Wenn ja, wurde sie als einzelne Person hingestellt, die sich parteischädigend verhalten hatte. Nur sie war dann von Disziplinarmaßnahmen betroffen. So machte man es sich einfach. Es ist die Frage, ob sie ins Gegnerlager übergelaufen ist oder sich nur ihrer Unzufriedenheit Luft machen wollte und es dabei übertrieben hatte. Doch man machte sich wohl nicht die Mühe das herauszufinden. Es war einfacher Disziplinarmaßnahmen zu verhängen. Das machte diese Frau noch unzufriedener und ließ sie tatsächlich ins Gegnerlager überlaufen
In Halle wurde die Aktion der rebellischen Jugendlichen aufgebauscht. In Dresden wird wohl ähnliches als Nebenhandlungen passiert sein, aber das wurde nicht wichtig genommen. Da wurde der Bericht an das MfS in Berlin nüchtern-sachlich abgefasst.
Der Tagesbericht über den Sicherungseinsatz vom 09.10.1989, von 16:30 bis 22:00 Uhr ist nüchtern sachlich abgefasst.
Gegnerische Personen werden benannt, hier aus heutigen Datenschutzgründen geschwärzt.
Es wird erwähnt, dass eine Demo außerhalb der Kirche geplant war. Man hatte Angst vor möglichem gewalttätigen Einschreiten der Volkspolizei. Die Kirche öffnete die Türen für Schutzsuchende. (Menschenskind, die wussten gar nicht, was gewalttätiges Einschreiten der Polizei ist.)
Die Sicherung wird beschrieben.
Über ein Gespräch mit Kirchenvertretern wird berichtet und die Aufforderung ein draußenhängendes Transparent zu entfernen. (Damals war es nur in privaten Innenräumen, wozu Kirchenräume zählten, zulässig solcherart Transparente aufzuhängen.
Es wird über kleine Auseinandersetzungen berichtet, wobei es zu ersten Festnahmen kam. Es werden zwei Leute genannt, wobei einer unter Alkoholeinfluss stand. Womöglich ging es diesen Leuten ums Krawallmachen, wobei sie die ersten konterrevolutionären Ereignisse ausnutzten.
Nochmal wird ein Plakat erwähnt, das Leute mit aus der Kirche genommen haben. Nach Aufforderung brachten sie es wieder in die Kirche zurück.
Nun kommt auch in diesem Bericht, die bereits im Bericht des MfS an die SED-Kreisleitung, benannte Frau vor, die damals in der Kaderabteilung (Personalabteilung) der HO (Handelskette in der DDR) Industriewaren arbeitete. Hier ist ersichtlich, dass sie für das „Neue Forum“ aktiv war. Also war sie bereits eine Gegnerin. Sie leistete Widerstand und der Schlagstock kam zum Einsatz
Dann werden noch eine Sachbearbeiterin und eine Sekretärin im Bereich Medizin (vermutlich eine Arztsekretärin) benannt. Diese Frauen leisteten Widerstand, zeigten sich später aber einsichtig.
Diese Widerstandhandlungen ereigneten sich in Halle in Höhe des Kaufhauses „1000 kleine Dinge“.
An anderer Stelle ist ein Ingenieur vorläufig festgenommen worden, der, nach eigenen Angaben, als Abgeordneter beim Rat des Stadtbezirkes Halle/Ost tätig war. Es ist nicht sicher, ob er tatsächlich ein Abgeordneter war, weil im Bericht mit „..nach eigenen Angaben..“ eingeschränkt wird. Er könnte ein Hochstapler sein. Falls er doch Abgeordneter war, gehörte er vermutlich einer Blockpartei an. Denn das MfS interessierte sich nicht für diesen Mann. Hätte er der SED angehört, hätte das MfS an die SED-Kreisleitung gemeldet.
Insgesamt wurden 41 Leute vorläufig festgenommen. Über den Einsatz und Befehl zum Einsatz des Schlagstockes wird berichtet. Eine Frau, bereits oben erwähnt, aus heutigen Datenschutzgründen geschwärzt, ist beim Schlagstockeinsatz verletzt worden. Aus dem Zusammenhang erkennt man, dass es sich um die um die renitente Frau handelt, die in der Kaderabteilung (Personalabteilung) der HO (Handelskette in der DDR) Industriewaren arbeitete.
Lösung Aufgabe 3
Hier wird nochmal der Vergleich zwischen dem Tagesbericht und dem Bericht an die SED-Kreisleitung betreffs der Verhaltensweisen der Amtsträger der Kirche gefordert. Bei der Lösung der vorigen Aufgaben ist das bereits eingeflossen. Hier nochmal.
Der Bericht an die SED-Kreisleitung ist subjektiv. Die Amtspersonen der Kirche machten laut diesem Bericht erst verspätet ihren Einfluss geltend, dass die Versammlung ordnungsgemäß aufgelöst wurde. Im Bericht werden Amtspersonen der Kirche beschuldigt die rebellischen Jugendlichen zu ihren Aktionen ermuntert zu haben.
Der Verfasser, Oberstleutnant Thomas, wollte vermutlich vor der SED-Kreisleitung gut dastehen. Er lenkte von der Unzufriedenheit der Bevölkerung ab.
Der Tagesbericht ist nüchtern sachlich über Gespräche mit den anwesenden Kirchenvertretern und dass durch Aufforderung die in der Öffentlichkeit illegalen Transparente entfernt und in den Innenraum gebracht wurden, berichtet worden.
Lösung Aufgabe 4
Na, das ist ja sinnig. Was damals in der DDR abging, war harmlos gegen das, was heute los ist, wenn sich der Staat angegriffen fühlt. Die Volkspolizei der DDR war nicht derart ausgerüstet, wie heutige Spezialeinheiten. Die Sonderausrüstung der Volkspolizei gab es erst im Verlaufe der konterevolutionären Ereignisse. In diesem Bericht wird eine Verletzte genannt. (Vermutlich diese renitente Frau.) Heute gibt es mehr Verletzte, wenn die Spezialeinheiten zuschlagen. Dabei wurde damals tatsächlich der Staat aus den Angeln gehoben. Das ist heute undenkbar. Wenn sich heute der Staat angegriffen fühlt, wird zugeschlagen und Festnahmen durchgeführt.
Siehe Beitrag „Wurden in der DDR Demonstranten misshandelt?“ in „Was war die DDR?“ Bitte auch den Nachtrag des Zeitzeugen Gernot Budach lesen
Ich erinnere an Phillip Müller, ein Kommunist aus der alten BRD, der am 11. Mai 1952 auf einer Demonstration in Essen von der Polizei erschossen wurde. Siehe Beiträge in DIE TROMMLER-ARCHIV und Kalter Krieg und „Entspannungspolitik“. In der DDR wurden Straßen nach Phillip Müller benannt. Diese Namensgebung fiel nach der Konterrevolution und Annexion der DDR durch die BRD der Schilderstürmerei zum Opfer.
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