• Aufruf der Konferenz der evangelischen Kirchen vom 08.September 1989

    Werner Leich war von 1986 bis 1990 Vorsitzender der Konferenz der Kirchenleitungen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR (BEK). Die VELK DDR löste sich bereits 1988 auf, der BEK nach der Konterrevolution. (siehe Wikipedia)

    Friedensgebet in der Geraer Johanniskirche: links der Geraer Pfarrer Joachim Urbig, rechts Landesbischof Werner Leich (1989)
    Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-1989-1123-036 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5347640

    Bischof Werner Leich richtet einen Aufruf an die Gemeinden der Evangelischen Kirchen in der DDR

    Es wird ein Brief an die Regierung der DDR erwähnt. Im Dokument steht in Klammern „Vorlesen des Briefes“. Der Brief an Erich Honecker wird in einem gesonderten Beitrag behandelt.

    Der Aufruf von Werner Leich appelliert an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger der DDR.

    Er warnt vor der Illusion vom besseren Leben in der BRD. Außerdem zeigt er auf, welche Lücken der Weggang von vielen Bürgerinnen und Bürgern gerissen hat. So z.B. im Gesundheitswesen und in der Wirtschaft.

    Werner Leich appelliert an das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen nicht nur für sein eigenes Leben, sondern für das Leben der Gemeinschaft.

    Um den Frieden zu wahren und des geordneten Miteinanders von verschiedenen Staaten, heißt er die Botschaftsbesetzungen und die Massenflucht über Ungarn nicht gut.

    Er appelliert in der heimatlichen Gemeinschaft zu bleiben und die DDR nicht zu verlassen und erklärt außerdem, dass alle an ihrem Platz wichtig sind.

    Werner Leich schreibt, dass die Kirche ihre Aufgabe darin sieht, in der Gesellschaft der DDR zu wirken und lobt die Menschen, die nun keinen Antrag auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR (Ausreiseantrag) mehr stellen wollen.

    Er schreibt, dass die Mitarbeit aller gefragt ist, die unter den Defiziten der Gesellschaft in der DDR leiden und Veränderungen anstreben. (Na ja, das ist „Wischi-Waschi“. Geht es um die Hilfe von Ungerechtigkeit Betroffenen oder um Konterrevolution? P.R.)

    Dann folgen Grüße

     

    Nachbemerkung von Petra Reichel:

    Außer dem „Wischi-Waschi“ im letzten Satz, klingt dieser Aufruf vernünftig.

    Entnommen vom Bundesarchiv und der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv, bearbeitet von Petra Reichel

    Dokument

    Broschüre

  • Schreiben der Konferenz der evangelischen Kirchen an Erich Honecker vom 08.09.1989

    Die Konferenz der Kirchenleitungen teilt in ihrem Brief an Erich Honecker die Sorge betreffs der Massenflucht über Ungarn mit und prangert Versuche die Ausreise aus der DDR zu erzwingen an

    Die Konferenz beschreibt ihre Ratlosigkeit und weiß keine Rezepte für eine kurzfristige Lösung der Problematik.

    Es wird auf Überfällige Reformen hingewiesen. („Reform“, was heißt das schon? Wir wissen doch, dass „Reform“ schon lange, einschließlich 1989 nicht Gutes bedeutet. P.R.)

    Die aufgelisteten Forderungen klingen vernünftig, denn es geht da tatsächlich um Defizite in der DDR. Z.B.

    • offene und wirklichkeitsnahe Diskussionen über die allgemeine Unzufriedenheit in der DDR
    • kritische Einwände von Bürgerinnen und Bürgern der DDR zu berücksichtigen und zum Wohle aller in erkennbaren Veränderungen wirksam werden zu lassen
    • Änderung der Medienpolitik
    • besserer Umgang der Behörden mit den Bürgerinnen und Bürgern Reisemöglichkeiten in alle Länder
    • ehemaligen Bürgerinnen und Bürgern der DDR, die in ein anderes Land übergesiedelt sind die Rückkehr zu ermöglichen. (Zu dieser Thematik siehe Schwesterblog „Aufnahmeheim Röntgental“. P.R.)

    Die Konferenz weist nochmal darauf hin das nur durch Offenheit und Hörbereitschaft Kräfte zu gewinnen seien, die zur Lösung der Probleme gebraucht werden.

    Die Konferenz war sich dessen bewusst, dass dies ein langwieriger Prozess sein wird und in diesen Prozess auch die Veränderungsbereitschaft anderer einbezogen werden muss. Dabei wird die BRD genannt. (In der BRD haben maßgebende Kräfte die Gunst der Stunde genutzt. Da ging es nicht mehr um Verhandlungen, sondern um das Befeuern der Konterrevolution. P.R.)

    Im vorletzten Abschnitt des Schreibens teilt die Konferenz mit, dass man auch bedenken muss, was es für die Kirchengemeinden bedeutet, wenn die Menschen ihre Heimat verlassen. Dieses Schreiben ist den Gemeindemitgliedern zur Kenntnis gegeben worden, um anzuregen über die Problematik nachzudenken.

    Als letztes wird auf das Handeln der Christen eingegangen, wobei erkennbar sein soll, dass sie selbst bereit sind, sich zu verändern und in der Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen.

    Werner Leich als Vorsitzender der Konferenz der Kirchenleitungen hat diesen Brief an Erich Honecker unterzeichnet.

     

    Nachbemerkungen von Petra Reichel:

    Zum einen klingt dieses Schreiben vernünftig. Die aufgelisteten Forderungen klingen vernünftig. Andererseits sind die Floskeln „sich zu verändern“, „in der Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen“ wiederrum verschieden auslegbar. Solche Floskeln hörte man auch in der alten BRD und hört man auch heute.  Es sieht aus, als hätte die Kirche ein „Hintertürchen“ offengelassen um flexibel zu reagieren. Egal, was da komme.

    Entnommen aus der Broschüre „Die Stasi in der Friedlichen Revolution“, Herausgeber Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv, bearbeitet von Petra Reichel

    Dokument

    Broschüre

  • MfS-Unterlagen-Auswertung

    Die junge Generation kennt die DDR nur noch aus Erzählungen und aus dem Geschichtsunterricht.

    Das Bundesarchiv-Stasi-Unterlagenarchiv bietet interessante Materialien mit den historischen Dokumenten an. Das ist sehr interessant und nützlich, um die Ereignisse der damaligen Zeiten zu recherchieren.

    Diese Seite will eine Ergänzung und andere Sichtweise auf die Dinge präsentieren. Darum wertet sie die interessanten Materialien des Bundesarchivs-Stasi-Unterlagenarchiv nach ihrer Anschauung aus.

    Das Anliegen dieser Seite ist, dass auch sie in den Geschichtsunterricht und die Forschung der damaligen Zeit einbezogen wird-

    Zum Register hier klicken.

    Es fängt erst mal mit der korrekten Bezeichnung des Geheimdienstes der DDR an. Der Begriff „Stasi“ ist in aller Munde. Die wenigsten wissen, dass es sich dabei um einen Hetzbegriff handelt. Die korrekte Bezeichnung ist MfS (Ministerium für Staatssicherheit).

    Nun ist der Aktenbestand ins Bundesarchiv übergegangen. Das ist die bessere Lösung, als die BStU.

    Zur Geschichtsforschung ist die Website ISOR Sozialverein e.V. .

    bzw. die Unterseite Startseite IK ist sehr zu empfehlen.  

     

    Da zeigen ehemalige MfS-Angehörige als Zeitzeugen ihre Sicht auf die Geschichte der DDR und des MfS.