Der Tagesbericht befasst sich auch mit den Ereignissen vom 10.10.1989. Er ist sachlich nüchtern gehalten und nennt mehrere Personen namentlich, die seinerzeit illegales Material dabei hatten. Es handelt sich um bislang rechtschaffende Bürgerinnen und Bürger. Einer war betrunken und nutzte die Situation, um Krawall zu machen.
Die Montagsdemos waren wichtige Ereignisse der Konterrevolution in der DDR. Das hatte das MfS nicht erkannt. Es ist von aufmüpfigen Jugendlichen ausgegangen worden, die in diesem Schreiben als „dekadent“ bezeichnet werden. Dass sich rechtschaffende Bürgerinnen und Bürger an den Montagsdemos beteiligten, war dem MfS entgangen. PR.
Bericht der Kreisdienststelle Halle des MfS vom 10.10.1989 an die SED-Kreisleitung
Störungshandlungen feindlich-negativer Kräfte und „dekadenter“ Jugendlicher auf dem Markt
Auf der Grundlage von Informationen interner Quellen über geplante Störungshandlungen am 09.10.1989 auf dem Obermarkt wurde im Zusammenwirken mit dem Volkspolizei-Kreisamt, der Volkspolizei-Bereitschaft Halle und in den Kampfgruppen der Arbeiterklasse ein Sicherungseinsatz zur Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durchgeführt.
Zwischen 16:45 Uhr und 17:15 Uhr versammelten sich ca. 350 – 400 Personen (davon ca. 80% Jugendliche im Alter von 14 bis 20 Jahren) vor dem Eingang der Marktkirche. Der Zulauf erfolgte über den Ober- und Untermerkt in kleineren Gruppen zwischen 5 bis 25 Personen. Nachdem bereits 17:15 Uhr innerhalb der Ansammlung Kerzen (ca. 10 bis 15 Stück) angezündet wurden, kam es 17:30 Uhr zur Entfaltung von zwei Transparenten (Betttuch) mit den Texten:
(1)„Gewaltloses Widerstehen, Schweigen für Leipzig, Schweigen für Reformen, Schweigen für Hierbleiben“
(2)„Wir schweigen, obwohl wir viel zu sagen haben“
Das mit (1) gekennzeichnete Transparent wurde von Pfr. Hanewinckel (ev. Georgengemeinde) gehalten, der sich zusammen mit den kirchlichen Amtsträger
Sup. Buchenau
Probst (Name unkenntlich gemacht)
Pfarrer (Name unkenntlich gemacht)
Pfarrer (Name unkenntlich gemacht
In der Nähe der Ansammlung aufhielt. Am Schaukasten der Marktkirche war das mit (2) gekennzeichnete Transparent angebracht.
Erst nachdem im Gespräch Probst (Name unkenntlich gemacht) aufgefordert wurde, disziplinierenden Einfluss geltend zu machen, wurden die Kerzen gelöscht und die Transparente entfernt.
Ca. 200 Personen, darunter überwiegend Gläubige, betraten 18:05 Uhr die Kirche, wobei der andere Teil von ebenfalls 200 Personen vor der Kirche verblieben. Da diese sich trotz mehrfacher Aufforderung und vereinzelter Zuführungen (vorläufiger Festnahmen P.R.)nicht entfernten, mussten sie durch die Volkspolizei von der Kirche abgedrängt werden. Der hartnäckige Kern „dekadenter“ Jugendlicher und Jungerwachsener verblieb im Bereich des Roten Turm und widersetzte sich der Auflösung der Ansammlung. Daraufhin wurden von 18:10 Uhr bis 19:25 Uhr weitere Personen (insgesamt 38 Personen) zugeführt (vorläufig festgenommen P.R.). Darunter befand sich auch die Mitarbeiterin der Kaderabteilung (Personalabteilung P.R.) HO Industriewaren
Gegen Initiatoren wurden Ermittlungsverfahren und Verfahren zur Ahndung von Ordnungswidrigkeiten eingeleitet. Alle anderen wurden belehrt.
Die eigentliche kirchliche Veranstaltung in der Marktkirche wurde als Andacht von 18:10 bis 19:00 Uhr durchgeführt. Im Verlauf wurde durch die kirchlichen Amtsträger Einfluss auf die Anwesenden genommen, so dass nach Beendigung ein reibungsloser Abgang vom Markt erfolgte.
Im Ergebnis konnte eingeschätzt werden, dass die genannten Amtsträger, insbesondere Pfr. Hanewinckel und (Name unkenntlich gemacht) ihre Einflussnahme herauszögerten und indirekt zu den genannten Aktionen ermunterten. Die am Roten Turm versammelten Jugendlichen suchten offensichtlich die Konfrontation mit den Sicherungskräften, was durch provozierende Äußerungen und Widerstandshandlungen zum Ausdruck kam. (Krawallmacher hatten die Situation ausgenutzt. Das MfS hatte sie Leute überbewertet. P.R.)
Durch das konsequente offensive Handeln der Sicherungskräfte konnte die beabsichtigte Eskalation der Störungshandlungen unterbunden werden.
Der Leiter der Kreisdienststelle hat unterschrieben.
Ein weiteres Schreiben, der Tagesbericht befasst sich mit demselben Ereignis.
Im Laufe des 09.10.1989 wurde durch mündliche Weitergabe, aber auch vereinzelt durch schriftliche Aushänge an Kirchen und auf dem Meißner Bahnhof das Ergebnis der am Vorabend bei der Beendigung der Demonstrationen erzielten Vereinbarung bekanntgegeben. In diesen Bekanntgaben wurden folgende Kirchen genannt, in denen das Gespräch mit dem Oberbürgermeister der Stadt Dresden informiert wird
Kreuzkirche
Christuskirche
Versöhnungskirche
Kathedrale
In diesem Gespräch hatten 29 namentlich bekannte Personen Fragen gestellt und Forderungen erhoben, wie:
Gegen 19:00 Uhr begann ein reger Zustrom zu allen vier genannten Kirchen, die bereits um 19:30 Uhr überfüllt waren, so dass sich große Menschenansammlungen, besonders vor der Kreuzkirche, bildeten.
Dadurch sahen sich die Vertreter der Kirche veranlasst, bekanntzugeben, die die Informationsveranstaltungen um 21:30, in der Kreuzkirche um 22:00 Uhr wiederholt werden. Ein Ersuchen des Sup. Ziemer, die Informationsveranstaltungen mittels Lautsprecher auf dem Altmarkt zu übertragen, wurde durch den OB der Stadt Dresden ( Ach, der Herr Berghofer. Heute wissen wir, dass dieser ein Wendehals ist. P.R.)(ach nee P.R.) nach Abstimmung abgelehnt: Insgesamt nahmen nach vorliegenden Schätzungen an den Informationsveranstaltungen teil:
Kreuzkirche: 1. Veranstaltung 5500 Personen
2. Veranstaltung 2500 Personen
Kathedrale : 1. Veranstaltung 5500 Personen
2. Veranstaltung 3000 Personen
Christuskirche: 1. Veranstaltung 2000 Personen
2. Veranstaltung 2000 Personen
Versöhnungskirche: 1. Veranstaltung 1500 Personen
2. Veranstaltung 600 Personen
Während der 1. Veranstaltung standen die Personen, die keinen Einlass fanden, ruhig vor den Kirchen und zeigten keinerlei provozierende Aktivitäten. Lediglich vor der Kreuzkirche wurden 2 Plakate gezeigt mit folgenden Texten:
Gegen 23 Uhr waren alle Informationsveranstaltungen beendet, und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer verstreuten sich ohne jegliche Vorkommnisse im Stadtgebiet.
Es gab im Zeitraum von 19:00 Uhr bis 24:00 Uhr im gesamten Stadtgebiet von Dresden keinerlei feindlich-negative oder provozierende Vorkommnisse.
Über den Inhalt der Informationsveranstaltungen in den Kirchen wurde bisher folgendes bekannt:
Hier endet der Auszug des Dokuments. Hier musste das MfS erkennen, dass es sich nicht nur um ein paar Jugendliche, die Krawall machen, handelte. Die lange schwelende allgemeine Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger der DDR machte sich hier Luft. Was das „Neue Forum“ brachte, wissen wir heute. Die Verantwortlichen hatten die allgemeine Unzufriedenheit ignoriert, bis es dann zu spät war und die Konterrevolution ihren Lauf nahm.
Die aufgelisteten Forderungen klingen vernünftig, denn es geht da tatsächlich um Defizite in der DDR.
Antwort zu Aufgabe 2
Werner Leich hatte als Vertreter der Evangelischen Kirchen in der DDR an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger der DDR appelliert.
Er warnte vor der Illusion vom besseren Leben in der BRD. Außerdem zeigte er auf, welche Lücken der Weggang von vielen Bürgerinnen und Bürgern gerissen hatte. So z.B. im Gesundheitswesen und in der Wirtschaft.
Werner Leich appellierte an das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen nicht nur für sein eigenes Leben, sondern für das Leben der Gemeinschaft.
Um den Frieden zu wahren und des geordneten Miteinanders von verschiedenen Staaten, hatte er die Botschaftsbesetzungen und die Massenflucht über Ungarn nicht gutgeheißen.
Er appellierte in der heimatlichen Gemeinschaft zu bleiben und die DDR nicht zu verlassen und erklärte außerdem, dass alle an ihrem Platz wichtig sind.
Werner Leich hatte geschrieben, dass die Kirche ihre Aufgabe darin sieht, in der Gesellschaft der DDR zu wirken und hatte die Menschen gelobt, die keinen Antrag auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR (Ausreisantrag) mehr stellen wollten.
Er hatte auch geschrieben, dass die Mitarbeit aller gefragt ist, unter den Defiziten der DDR leiden und Veränderungen anstreben. (Na ja, das ist „Wischi-Waschi“. Ging es um die Hilfe von Ungerechtigkeit Betroffenen oder um Konterrevolution? Außerdem hielt sich die Kirche ein „Hintertürchen“ offen, um flexibel reagieren zu können, egal was kommt.)
Entnommen aus dem Abkürzungsverzeichnis der Broschüre, wie in der Aufgabe vorgegeben.
„Oberstes Führungsorgan im Bezirk zur Leitung der Verteidigungsmaßnahmen im Kriegsfall und in Krisensituationen. Der BEL gehörten u.a. die Chefs von Staatssicherheit, Polizei und Militär im Bezirk an. Vorsitzender war der Chef der SED-Bezirksleitung. Die BEL unterstand dem vom SED-Generalsekretär geführten Nationalen Verteidigungsrat, der die Mobilmachung anordnen und den Ausnahmezustand verhängen konnte.“
Was gibt es da zu diskutieren? Jeder Staat trifft Maßnahmen in Kriegs- und Krisensituationen. Wir kennen das ja noch aus der Corona-Zeit. Heute wissen wir, dass die Maßnahmen überzogen waren. Doch da findet keine Aufarbeitung statt. Wenn es echte Krisen oder gar Kriegssituationen gibt, hat jeder Staat entsprechende Maßnahmen in der Reserve. In der DDR war das natürlich auch angedacht. Doch letztendlich war die Staatsmacht nicht in der Lage diese durchzusetzen. Erich Honecker war durch seine Krankheit zu lange handlungsunfähig. Als er wieder handlungsfähig war, war die Konterrevolution bereits zu weit fortgeschritten und er musste zurücktreten.
Erarbeiten Sie anhand des Briefs an den DDR-Staatschef, welche Veränderungen die Kirchenleitung in der DDR wünschte. Geben Sie die Forderungen mit eignen Worten wieder.
Aufgabe 2
Erörtern Sie, warum die Kirchenoberen ihre Anhänger zum Dableiben aufriefen.
Aufgabe 3
Ermitteln Sie mithilfe des Abkürzungsverzeichnisses die Aufgaben und Befugnisse einer Bezirkseinsatzleitung in der DDR. Diskutieren Sie anhand Ihrer Erkenntnisse, mit welcher drastischen Maßnahme die alte SED-Führung um Honecker im Oktober 1989 die friedliche Revolution verhindern wollte.
Im Verlauf des gestrigen Tages (07.10.1989/ 40. Jahrestag der DDR) kam es in verschiedenen Bezirken, besonders in Berlin, Leipzig, Dresden, Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), Halle, Erfurt und Potsdam zu Demonstrationen, die gegen die verfassungsmäßigen Grundlagen das sozialistischen Staates gerichtet waren
Vor allem in Dresden, Plauen und Leipzig trugen sie den Charakter rowdyhafter Zusammenrottungen und gewalttätiger Ausschreitungen, die die Bürgerinnen und Bürger in höchstem Maße beunruhigten.
Es ist damit zu rechnen, dass es zu weiteren Krawallen kommt. Diese sind von vornherein zu unterbinden.
Deshalb sind folgende Aufgaben auszuführen:
Die sofortige Zusammenkunft der Bezirksleitungen, in der die Lage im Bezirk eingeschätzt wird und entsprechende Maßnahmen festgelegt werden:
Unverzügliche Information der Partei-, Gewerkschafts- und FDJ-Funktionäre sowie der Mitarbeiter der staatlichen Organe über die Lage im Bezirk, bzw. Kreis und Erläuterung der Aufgaben zur offensiven politisch-ideologischen Arbeit in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, damit diese Funktionäre unmittelbar vor Ort an der Unterbindung der Krawalle teilnehmen und offensiv in Erscheinung treten. (Oh, arme DDR. Wozu politisch-ideologische Arbeit? Um mit Krawallmachern fertig zu werden? Ein Armutszeugnis, dass man mit den Krawallmachern nicht fertig wurde. P.R.)
Veröffentlichung entsprechender Mitteilungen und sachlicher Berichte über die stattgefundenen Krawalle in allen Bezirkszeitungen der Partei (SED P.R.), verbunden mit Stellungnahmen von Arbeitern und Arbeiterinnen und anderen Werktätigen.
Tägliche Information an die Abteilung Parteiorgane des ZK über die Lage und eingeleiteter Maßnahmen (jeweils bis 06:00 Uhr mit Stand von 04:00 Uhr bzw. sofort).
Nachbemerkungen von Petra Reichel:
Leider ist nur eine Seite des Fernschreibens vorhanden. Es geht da um (versuchte) Krawalle um den 40. Jahrestag der DDR. Die Krawallmacher waren zu wichtig genommen worden. Auf die allgemeine Unzufriedenheit der rechtschaffenden Bürgerinnen und Bürger der DDR ist nicht eingegangen worden. Ein Armutszeugnis, dass man mit den Krawallmachern nicht, bzw. nur teilweise fertiggeworden ist.
Werner Leich war von 1986 bis 1990 Vorsitzender der Konferenz der Kirchenleitungen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR (BEK). Die VELK DDR löste sich bereits 1988 auf, der BEK nach der Konterrevolution. (siehe Wikipedia)
Friedensgebet in der Geraer Johanniskirche: links der Geraer Pfarrer Joachim Urbig, rechts Landesbischof Werner Leich (1989)
Bischof Werner Leich richtet einen Aufruf an die Gemeinden der Evangelischen Kirchen in der DDR
Es wird ein Brief an die Regierung der DDR erwähnt. Im Dokument steht in Klammern „Vorlesen des Briefes“. Der Brief an Erich Honecker wird in einem gesonderten Beitrag behandelt.
Der Aufruf von Werner Leich appelliert an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger der DDR.
Er warnt vor der Illusion vom besseren Leben in der BRD. Außerdem zeigt er auf, welche Lücken der Weggang von vielen Bürgerinnen und Bürgern gerissen hat. So z.B. im Gesundheitswesen und in der Wirtschaft.
Werner Leich appelliert an das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen nicht nur für sein eigenes Leben, sondern für das Leben der Gemeinschaft.
Um den Frieden zu wahren und des geordneten Miteinanders von verschiedenen Staaten, heißt er die Botschaftsbesetzungen und die Massenflucht über Ungarn nicht gut.
Er appelliert in der heimatlichen Gemeinschaft zu bleiben und die DDR nicht zu verlassen und erklärt außerdem, dass alle an ihrem Platz wichtig sind.
Werner Leich schreibt, dass die Kirche ihre Aufgabe darin sieht, in der Gesellschaft der DDR zu wirken und lobt die Menschen, die nun keinen Antrag auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR (Ausreiseantrag) mehr stellen wollen.
Er schreibt, dass die Mitarbeit aller gefragt ist, die unter den Defiziten der Gesellschaft in der DDR leiden und Veränderungen anstreben. (Na ja, das ist „Wischi-Waschi“. Geht es um die Hilfe von Ungerechtigkeit Betroffenen oder um Konterrevolution? P.R.)
Dann folgen Grüße
Nachbemerkung von Petra Reichel:
Außer dem „Wischi-Waschi“ im letzten Satz, klingt dieser Aufruf vernünftig.
Die Konferenz der Kirchenleitungen teilt in ihrem Brief an Erich Honecker die Sorge betreffs der Massenflucht über Ungarn mit und prangert Versuche die Ausreise aus der DDR zu erzwingen an
Die Konferenz beschreibt ihre Ratlosigkeit und weiß keine Rezepte für eine kurzfristige Lösung der Problematik.
Es wird auf Überfällige Reformen hingewiesen. („Reform“, was heißt das schon? Wir wissen doch, dass „Reform“ schon lange, einschließlich 1989 nicht Gutes bedeutet. P.R.)
Die aufgelisteten Forderungen klingen vernünftig, denn es geht da tatsächlich um Defizite in der DDR. Z.B.
offene und wirklichkeitsnahe Diskussionen über die allgemeine Unzufriedenheit in der DDR
kritische Einwände von Bürgerinnen und Bürgern der DDR zu berücksichtigen und zum Wohle aller in erkennbaren Veränderungen wirksam werden zu lassen
Änderung der Medienpolitik
besserer Umgang der Behörden mit den Bürgerinnen und Bürgern Reisemöglichkeiten in alle Länder
ehemaligen Bürgerinnen und Bürgern der DDR, die in ein anderes Land übergesiedelt sind die Rückkehr zu ermöglichen.(Zu dieser Thematik siehe Schwesterblog „Aufnahmeheim Röntgental“. P.R.)
Die Konferenz weist nochmal darauf hin das nur durch Offenheit und Hörbereitschaft Kräfte zu gewinnen seien, die zur Lösung der Probleme gebraucht werden.
Die Konferenz war sich dessen bewusst, dass dies ein langwieriger Prozess sein wird und in diesen Prozess auch die Veränderungsbereitschaft anderer einbezogen werden muss. Dabei wird die BRD genannt. (In der BRD haben maßgebende Kräfte die Gunst der Stunde genutzt. Da ging es nicht mehr um Verhandlungen, sondern um das Befeuern der Konterrevolution. P.R.)
Im vorletzten Abschnitt des Schreibens teilt die Konferenz mit, dass man auch bedenken muss, was es für die Kirchengemeinden bedeutet, wenn die Menschen ihre Heimat verlassen. Dieses Schreiben ist den Gemeindemitgliedern zur Kenntnis gegeben worden, um anzuregen über die Problematik nachzudenken.
Als letztes wird auf das Handeln der Christen eingegangen, wobei erkennbar sein soll, dass sie selbst bereit sind, sich zu verändern und in der Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen.
Werner Leich als Vorsitzender der Konferenz der Kirchenleitungen hat diesen Brief an Erich Honecker unterzeichnet.
Nachbemerkungen von Petra Reichel:
Zum einen klingt dieses Schreiben vernünftig. Die aufgelisteten Forderungen klingen vernünftig. Andererseits sind die Floskeln „sich zu verändern“, „in der Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen“ wiederrum verschieden auslegbar. Solche Floskeln hörte man auch in der alten BRD und hört man auch heute. Es sieht aus, als hätte die Kirche ein „Hintertürchen“ offengelassen um flexibel zu reagieren. Egal, was da komme.
Sie geben an zu ihren Tanten ausreisen zu wollen. Doch gleich kommen sie mit Gründen wie, dass sie andere Länder kennenlernen wollen und sonstiger politischer Kram. Sie hätten sich besser allein auf die verwandtschaftlichen Verhältnisse konzentrieren sollen. Alles weitere hätten sie lieber gelassen.
Das war ein Sinnlosbrief.
Solche Briefe waren nicht nur sinnlos, sie hätten auch eine Gefahr für die DDR sein können. Das hatte das MfS überprüft und daher Briefe beschlagnahmt.
Mensch, das war der Weg ins Illegale.
Die beiden Frauen suchten Kontakt zu Ausländern. Sie erhofften durch Heirat die DDR verlassen zu können. Sie waren stur und hatten unberechtigt einen guten Arbeitsplatz, den sie verloren hatten.
Es geht um angebotene Arbeitsstellen, welche die beiden Frauen abgelehnt hatten. Sie besetzten unberechtigt eine Betriebswohnung des ND, wo sie nicht mehr arbeiteten. Das Verhalten der beiden war unverschämt. Wenn sie das in der BRD so gemacht hätten, dann hätten sie es nicht lange gemacht.
Da konnte kein gutes Verhältnis behördlicherseits gegenüber den beiden Frauen herauskommen. Sie haben sich ja auch unverschämt verhalten.
Es geht um die Gefährdung der Sicherheit der DDR, da die beiden Frauen Kontakt zu Institutionen der BRD hatten. Das hatten sie als Privatpersonen nicht gedurft. Sie spannten auch Westverwandtschaft ein, um Sinnlosbriefe zu schreiben. Die Mutter einer der beiden Frauen war pflegebedürftig. Trotzdem wollte die Tochter diese verlassen. Das sieht man doch die Unverfrorenheit, die von beiden ausgeht.
Die Volkspolizei-Inspektion Berlin-Friedrichshain die Beendigung der Kontrollmaßnahmen an. Begründung war, dass sich die beiden nun gesellschaftlich integriert hätten. Im Nachhinein muss man sagen, dass sie sich nur arrangiert hatten. Sie hassen nach wie vor die DDR.
Der ganze „Zinnober“ hatte sich nicht gelohnt. Man hätte die beiden „ziehen“ lassen sollen. In der BRD wären sie mit ihren Frechheiten, insbesondere in der Arbeitswelt und bei Behörden, nicht weit gekommen. Schaden und Gefahren für die DDR im sicherheitsrelevanten Bereich hätten vermieden werden können. So hätte es keine Sinnlosbriefe, Kontakte zu Ausländern und dieser antikommunistischen Institution nicht gegeben.
Was wollten die beiden? Das ND war ein Tendenzbetrieb. Auch in der BRD könnte man bei keinem Tendenzbetrieb arbeiten, wenn man mit dessen Zielen nicht konform geht. In der BRD würde man bei einer entsprechenden Entlassung arbeitslos. In der DDR bekamen die beiden reichlich Alternativ-Angeboten an Arbeitsplätzen. Diese nutzten sie nicht, ja sie verhielten sich sogar frech. Sie waren nur geringfügig bei einem Verlag beschäftigt. Von was die beiden lebten, ist unklar. Dass da behördlicherseits Misstrauen aufkommt, ist nicht verwunderlich.
Gruppe 2
Die beiden Frauen gingen von ihrem Interesse aus gesehen strategisch ungeschickt vor. Sie hätten sich auf verwandtschaftliche Verhältnisse konzentrieren sollen und nur persönliche Gründe für den Ausreiseantrag angeben. So kam noch politscher „Zinnober“ hinzu. Im Laufe der Zeit weiteten sich die Aktivitäten der beiden derart aus, dass tatsächlich Gefahr für die DDR bestand.
Eine klare rechtliche Regelung fehlte, was die Ausreiseanträge betrifft. So war das „Gummi“ und „Wischi-Waschi“. Die Politik hatte versäumt hier klare gesetzliche Regelungen zu schaffen. (Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass es zumindest in den 1980er Jahren ein Formblatt gab. Das kam aber erst als 2. Schritt dran. Petra Reichel)
Gruppe 3
Jeder Geheimdienst, jede Polizeidienststelle sammelt alles Mögliche, wenn sich jemand verdächtig macht. In der DDR gab es Sonderfälle im politischen Bereich. Würde heute die Arbeit von Behörden koordiniert und es weniger Bürokratie und Kompetenzgerangel geben, könnte so manches Unglück verhindert werden. Siehe die Anschläge von religiösen und/oder politischen Extremisten.
Gruppe 4
Das lasse ich aus. Überwachung ist überall gleich.
Gruppe 5
Hier haben wir wieder die Sinnlosbriefe und sinnlose weitere Anträge.
Im Film, der auf You Tube zu sehen ist, erkennt man den unverminderten Hass der beiden auf die DDR. Sie reiten auf der Mitleidstour. Sieht man genauer hin, zeigt sich immernoch ihre Frechheit.
Die historische Wahrheit ist ein gutes Stichwort. Die Sieger schreiben die Geschichte. Es sind nur Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gefragt, die im Sinne der Sieger aussagen. Andere sind unerwünscht. Ob ehrliche Historikerinnen und Historiker, bei der derzeitigen antikommunistischen Grundstimmung und dem Hass auf die DDR im Nachhinein, eine Chance haben, sei dahingestellt. DIE TROMMLER, diese Website und sämtliche Schwesterblogs werden von einer einfachen Frau betrieben. Da kann kein wissenschaftlicher Anspruch erhoben werden. Trotzdem wird ein bescheidener Beitrag geleistet Geschichte aus Sicht der Verlierer darzulegen.